Die Quintessenz des Heavy-Metal-Untergrunds 2025 – zusammengefasst in 30 Kurzrezensionen.
Serpent Rider – The Ichor of Chimaera
Zeit sich zurückzulehnen, die Augen zu schließen und begleitet von der ätherischen Stimme R. Villars abzutauchen, in eine Welt, in der sandalentragende Krieger aufrecht dunklen Mächten die Stirn bieten. Illustriert wird diese Reise mit präzisen Riffs, wahlweise doomig oder treibend, abenteuerlichen Bass-Exkursionen und aus okkulten Textbüchern zusammengeklaubter Lyrik. Wer sich darauf einlässt, wird belohnt; Serpent Rider destillieren die besten Aspekte des epischen Metals hinunter auf 36 Minuten Genre-Perfektion. Ob die Widersacher nun Klingen aus Eisen, Kupfer, Silber oder Bronze führen – eines ist klar: Stahl ist die Antwort.

Anspieltipps:
Steel is the Answer
Matri Deorum
Wanton Attack – Brinnande Jord
Die schwedischen Musiker Zetterberg und Holm komponieren eine Antithese zur Massentauglichkeit nach der anderen. Sei es mit ihrem melancholischen Ritter-Metal-Projekt Sordid Blade, oder der von einer Aura skandinavischen Mystizismus umgebenen Band Wanton Attack. Findet man erstmal den Zugang dazu – und das darf gut und gerne mehrere Plattenseitenwechsel dauern – kann man kaum genug von der eigenwilligen, charmanten und definitiv einzigartigen Spielweise des Duos bekommen.

Anspieltipps:
From the Seed to the Tree
Son of Sun
Final Fortune – Resurrected
Häufig muss man sich gar nicht die Mühe machen, über die eigene Landesgrenze hinauszuschauen, um neue Musik zu finden. Immerhin hätte die diesjährige Liste ohne Probleme exklusiv mit deutschen Bands gefüllt werden können. Final Fortune sind ein großartiges Beispiel dafür: Purer Enthusiasmus, technisch gekonnt, mit selbstsicheren, schnoddrigen Vocals, die teilweise in glaszerberstenden Höhen mit den Besten mithalten können. Bei den Songstrukturen scheut man sich nicht, auch mal ins Progressive abzudriften, harschen Gesang reinzuwerfen, der Bridge etwas mehr Luft zum Atmen zu geben. Das erinnert an die originelleren modernen Heavy-Metal-Bands wie Mega Colossus oder Judicator, nur eben zu 100% made in Koblenz.

Anspieltipps:
Hunt for Gold
Fight for Freedom
High Council – Cruel and Unusual
Gelegentlich kommt ein Album daher, das kein Anrecht darauf hat, so gut zu sein, wie es ist. Da fehlt einfach jeder Referenzwert, um vernünftig zu beschreiben, was hier passiert. Primordial, aber sie spielen Heavy Metal. Slough Feg, aber Mike Scalzi hat sein Philosophiestudium abgebrochen. Mael Mórdha, aber es geht nicht um Irland. Keine Sorge, alles ergibt Sinn, wenn man es gehört hat.

Anspieltipps:
Cruel and Unusual
Plaguebringer
On Fire – Bite the Blade
On Fire bilden eine Art All-Star-Team des kanadischen Untergrunds. Mit am Start sind Metal-Maestro Jo Steel, Gatekeeper-Gitarrist Jeff Black und Mortillery-Sängerin Cara McCutchen. Gemeinsam spielen sie rohen, etwas thrashigen Oldschool-Speed-Metal. Das ist rotzige Krawallmusik, die erfrischend unkontrolliert daherkommt, sei es getrieben von der immensen Geschwindigkeit der technisch anspruchsvollen Riffs oder den leidenschaftlichen, markigen Vocals, die hier- und da überraschend akrobatisch durchs höhere Stimmregister turnen. Ein fulminantes Metal-Feuerwerk mit 32 Minuten Brenndauer.

Anspieltipps:
Bite the Blade
Death Stare
Savaged – Rising
Ein weiterer Beitrag zur schier endlosen Liste von Bands bestehend aus schnautzbarttragenden Fastdreißigjährigen, die dem Jahrzehnt vor ihrer Geburt huldigen. Etwas aus der Reihe fällt allerdings die umfangreiche Songwriting-Bandbreite. Von schnellen, hookorientierten, Scorpions-artigen Nummern bis hin zu Liedern, die sich eher introspektiv und bedeutungsschwer geben, ist alles dabei. Ohrwürmer sind ebenfalls zur Genüge vorhanden; wenn sich ein Savaged-Song im Kopf eingenistet hat, bleibt er dort eine ganze Zeit lang wohnen.

Anspieltipps:
Queen of My Salvation
Across the Burning Fields
Professor Emeritus – A Land Long Gone
So wie das Cover-Bild aussieht, hört sich das Album an. Erhabene Gitarrenarbeit gepaart mit Vocals, triefend vor Intensität und Pathos, formen ein Monumentalwerk, das unermessliche Landschaften vor dem inneren Auge heraufbeschwört. Ob man seinen epischen Metal doomig mag, oder seinen Doom episch, ist eigentlich egal. Sowohl Fans von Cirith Ungol als auch Candlemass kommen hier gleichermaßen auf ihre Kosten.

Anspieltipps:
Passage
Conundrum
Dragon Skull – Chaos Fire Vengeance
Der mit Abstand männlichste Release des Jahres 2025 huldigt der Dreifaltigkeit des Machismo-Metals: Drachen, Totenköpfe und Elric von Melniboné. Untermauert von gehaltreichen Riffs, abgerundet mit exzellenten Solos. Die perfekte Musik fürs Fitnessstudio. Oder um in Gedanken ins Fitnessstudio zu gehen, während man auf dem Sofa liegt und dieses Album hört.

Anspieltipps:
Brethren
Blood and Souls
Skyraid – Kingdom of Thall
Wem die Produktionsqualität der durchschnittlichen Dying-Victims-Veröffentlichung zu sauber ist, sollte hier mal reinhören. Locker, lässig und leichtlebig präsentieren die kanadischen Nachwuchsmusiker Epic Heavy Metal aus der Mystification-Ära Manilla Roads und bombastische AOR-Refrains, die klingen, als wurden sie mit einem Budget bestehend aus einem Bindfaden und einer Büroklammer im Wandschrank des elterlichen Wohnzimmers aufgenommen.

Anspieltipps:
Eyes of an Angel
Legend of the Starbeast
Ladon Heads – Steel for Fire
Metal kann eine ganz entspannte Angelegenheit sein. Ladon Heads haben eine beinahe asketische Herangehensweise, mit der sie ihre Songs auf das Wesentliche herunterbrechen. Niemand muss beeindruckt werden, die Musik dient ausschließlich sich selbst und als Zuhörer macht es große Freude, mit so einer reinen Hingabe an das Genre konfrontiert zu werden. Weniger ist mehr – damit befinden sie sich näher an der originalen Vision der Begründer des Epic Heavy Metals als die meisten anderen Bands.

Anspieltipps:
Stealers of the Light
Born in Steel