Die Quintessenz des Heavy-Metal-Untergrunds 2025 – zusammengefasst in 30 Kurzrezensionen.
Hyena – About Rock and Roll
Die peruanische Band Hyena scheint einem ziemlich gravierenden Irrtum aufgesessen zu sein. Anders, als der Name ihres Debut-Album vermuten lässt, spielen sie gar keinen Rock ’n‘ Roll, sondern Heavy Metal. Vielleicht ist das auch eine clevere Hommage an Motörhead, die haben das schließlich auch von ihrer Musik behauptet. Wie dem auch sei, About Rock and Roll ist ein richtig gutes Heavy-Metal-Album, das ohne Weiteres als verschollener NWOBHM-Klassiker aus der Blütezeit des Genres durchgehen könnte.

Anspieltipps:
The Eternal Zero
Metal Machine
Ice War – Feel the Steel
Die irgendwo zwischen Glam und Grandiosität angesiedelten Songs des kanadischen Metal-Exzentrikers Jo Steel strotzen nur so vor Überzeugung und Liebe für das Genre. Begleitet von neun synth-lastigen, riff-getriebenen Hymnen geht es sonnenbebrillt und schweißbandtragend auf die Reise durch schneebedeckte Einöden.

Anspieltipps:
Venom
Memories
Blackslash – Heroes, Saints & Fools
Da entspringt aus einer verschlafenen Kreisstadt im Schwarzwald klammheimlich ein Album, welches sich, wäre es in den 80ern rausgekommen, zu einem absoluten Genre-Klassiker avanciert hätte. Hier gibt es nichts auszusetzen – True-Metal-Perfektion von der ersten bis zur letzten Minute.

Anspieltipps:
Sacrificed
Black Widow
Judicator – Concord
Judicator sind synonym mit Konzeptalben. Thematisiert wird diesmal der Wilde Westen: In neun Mini-Epen erzählt, singt und schreit Frontmann John Yelland von endlosen Weiten, Kuhhirten und Städten, die nicht groß genug für zwei revolverschwingende Widersacher sind. Wem die Stimme bekannt vorkommt, der hat dieses Jahr vielleicht schon mal die Band Behölder gehört. Da singt der Mann zufällig auch. Oder er ist über das Judicator-Album Let There Be Nothing gestolpert. Das ist zufällig eines der besten Alben aller Zeiten.

Anspieltipps:
Sawtooth
A Miracle of Life
Böllverk – Demons Call
Dieses deutsche Quintett ist ein Paradebeispiel dafür, nicht nur nach Äußerlichkeiten zu urteilen. Denn die aus Bandnamen und Cover-Artwork bestehende Verpackung lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf den musikalischen Inhalt zu. Das sieht auf den ersten Blick nach Folk-Gedudel aus, ist in Wirklichkeit aber Heavy Metal, der mit einer ziemlichen (weiblichen!) Auf-Die-Fresse-Attitüde daher kommt. Und kaum möchte man der Nackenmuskulatur eine Pause gönnen, ist die leider nur aus vier Songs bestehende EP auch schon vorbei.

Anspieltipps:
No Mercy
Demons Call
Chamber Mage – By Light of Emerald Gods
Nasale Vocals, schrullige Riffs und Songs, die nicht funktionieren sollten, es aber einfach tun. All das, was den Epic Heavy Metal ausmacht. Man sollte meinen, das Genre wäre so langsam auserzählt, aber Chamber Mage kommen daher und heften dem Ganzen voller Selbstbewusstsein ein weiteres, würdiges Kapitel an.

Anspieltipps:
In Battle
The Emerald Tower Revealed
Hazzerd – The 3rd Dimension
Thrash Metal im Heavy-Metal-Jahresrückblick? Was geht hier vor sich? Zur Verteidigung muss gesagt sein, dass mit Ex-Traveler-Gitarrist Toryin Schadlich ein Mann mit einem Ohr für eingängigen Heavy Metal zum Riff-Hauptverantwortlichen ernannt wurde. Die Songs sind schnell und melodisch, komplex und trotzdem prägnant. Das hat sogar Dave Mustaine überzeugt, welcher Hazzerd in einem Interview gemeinsam mit Power Trip als größte Hoffnung der Thrash-Szene bezeichnete.

Anspieltipps:
Plagueis
Scars
Vultures Vengeance – Dust Age
Hier wird einem ab der 40-Sekunden-Marke des Eröffnungs- und Titeltracks einer der besten Intro-Riffs, nicht nur des Jahres, sondern vielleicht aller Zeiten ins Gehör geblasen. Der Rest des Albums ist natürlich auch super; Vultures Vengeance haben sich ihren Platz auf dem modernen Metal-Olymp redlich verdient.

Anspieltipps:
Dust Age
Reign of Serverance
Animalize – Verminateur
Dieses Sinnesfest für True-Metal-Connaisseure bietet endlich einen Grund, die letzten verwaisten Bröckchen Schulfranzösisch hervorzukramen. Vollständig in der Landessprache der Grande Nation gehalten, mit zerberstendem Glas und Luftschutzsirenen startend, ist Verminateur ein Album, das nur so vor unermüdlicher Energie strotzt. Es hat einfach das „je ne sais quoi“. C’est magnifique, mes amis!

Suggestions d’écoute:
Armées des la Nuit
Verminateur
Rattlesnakes – Deeper Shades of Torment
Ziemlich ärgerlich, den Ausdruck „Auf-Die-Fresse-Attitüde“ schon für die Böllverk-EP verwendet zu haben. Denn hier ist noch eine EP, welche das Etikett redlich verdient hat. Nur wie bei Spinal Tap am Verstärker auf „11“ gedreht. Was hier aus dem Lautsprecher kommt, ist so konfrontativ, ist so arrogant, hat so viel 80er-Jahre-Sleaze und ist einfach so geil, dass jeder, der meint, Heavy Metal wäre tot, ganz schnell eines Besseren belehrt wird.

Anspieltipps:
Love Me Harder
Selfish Soul